Abschlussarbeit
Autor:In: Christoph Hafner
Veröffentlicht: 2025
Betreuer:in: Baptiste Alcalde
Jahrgang: GEB22
Bachelor Thesis
DIGITALISIERUNGSSTRATEGIEN IN DER NOTFALLMEDIZIN: CHANCEN UND HERAUSFORDERUNGEN
Kurzfassung / Abstract: Die Notfallmedizin ist ein hochdynamisches Fachgebiet, das durch zeitkritische und lebensbedrohliche Situationen geprägt ist. Eine schnelle, strukturierte und interdisziplinäre Versorgung ist dabei sowohl im präklinischen als auch im innerklinischen Bereich entscheidend für den Behandlungserfolg. Vor diesem Hintergrund rücken digitale Lösungen und Automatisierung zunehmend in den Fokus, um Prozesse zu optimieren, Fehlerquellen zu minimieren und die Behandlungsqualität zu verbessern. Diese Arbeit untersucht Projekte aus dem DACH-Raum, die sich mit der Digitalisierung und Automatisierung der Notfallversorgung befassen. Anhand eines detaillierten Fallbeispiels wird der Umbau einer analogen zentralen Notaufnahme (ZNA) zu einer vollständig digitalisierten ZNA analysiert, wobei zentrale Herausforderungen, technische Hürden und praktische Umsetzungsschritte beleuchtet werden. Ergänzend dazu wird aufgezeigt, welche allgemeinen Schwierigkeiten bei der Implementierung von Digitalisierungsstrategien auftreten, insbesondere im Hinblick auf Interoperabilität, standardisierte Dokumentation und organisatorische Veränderungen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), insbesondere von Machine Learning-, Deep Learning- und Sprachverarbeitungsmodellen. Diese bieten Potenzial zur Reduktion von Kommunikationsfehlern in stressbelasteten Situationen, etwa durch automatische Informationsverarbeitung und -aufbereitung. Generative Sprachmodelle sollen künftig aus früheren Diagnosen lernen und so bei der diagnostischen Entscheidungsfindung unterstützen. Auch die automatische Übermittlung von Standortdaten, etwa bei Videotelefonaten, kann in Notfällen zu schnelleren Maßnahmen führen, da zeitaufwendige Rückfragen entfallen. Erste Studien zeigen, dass Modelle wie OpenAIs GPT-4 diagnostische Leistungen erbringen, die mit denen medizinischer Nachwuchskräfte vergleichbar sind. Dennoch bedarf es für einen sicheren und effektiven Einsatz im medizinischen Kontext einer deutlich größeren, qualitativ hochwertigen und strukturierten Datenbasis. Auch Datenschutz und Datenstandardisierung stellen zentrale Herausforderungen dar, denn die Weitergabe von medizinischen Informationen unterliegt strengen rechtlichen Vorgaben. Eine fehlende Vereinheitlichung der Datenstrukturen erschwert die Genrealisierbarkeit und Interoperabilität. Zudem ist die mangelnde Erklärbarkeit der Modelle ein offener Kritikpunkt im klinischen Einsatz. Die Analyse zeigt, dass sich Projekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz oft ähneln, etwa durch die Integration von Telenotärzten, Videoassistenz oder automatisierter Dokumentation, jedoch mit länderspezifischen Umsetzungswegen. Abschließend werden die Ergebnisse kritisch reflektiert. Die Arbeit verdeutlicht, dass die Digitalisierung der Notfallmedizin nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch und ethisch komplex ist, jedoch großes Potenzial für eine effizientere und sichere Patientenversorgung birgt.
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